Wer sich mit dem Gedanken trägt, als Franchisenehmer zu starten, stößt früher oder später auf Ranglisten der angeblich besten Franchise-Unternehmen. Solche Top-30-Übersichten wirken auf den ersten Blick wie eine bequeme Abkürzung: eine Liste, ein paar Eckdaten, fertig ist die Vorauswahl. Genau hier liegt jedoch eine Gefahr für angehende Gründer, denn die Kriterien hinter solchen Rankings sind selten so eindeutig, wie sie erscheinen.
Woher die Zahlen stammen
In Deutschland gibt es aktuell rund 930 Franchisesysteme mit insgesamt etwa 144.014 Franchisenehmern und rund 186.028 Betrieben. Diese Größenordnung zeigt zunächst, dass der deutsche Franchisemarkt seit Jahren einen Wachstumstrend verzeichnet und keineswegs eine Nische ist. Gängige Top-30-Listen greifen aus dieser breiten Masse meist die bekanntesten Namen heraus und sortieren nach Kriterien wie Gründungsjahr, Anzahl der Standorte oder Höhe des geforderten Eigenkapitals. Das sind nachvollziehbare, aber keineswegs vollständige Kennzahlen.
Standortzahl ist kein Qualitätssiegel
Eine hohe Zahl an Standorten wird in vielen Listen als Beleg für Erfolg gewertet. Tatsächlich sagt sie vor allem etwas über das Alter und die Expansionsgeschwindigkeit eines Systems aus, nicht automatisch über dessen Rentabilität für den einzelnen Franchisenehmer. Ein System mit über tausend Standorten kann ebenso viele enttäuschte Partner haben wie ein kleineres, saubereres Netzwerk mit wenigen Dutzend Betrieben. Wer eine solche Liste liest, sollte sich deshalb fragen: Wächst das System durch zufriedene Bestandspartner, die weitere Standorte eröffnen, oder vor allem durch die Neugewinnung unerfahrener Einsteiger?
Eigenkapital als Einstiegshürde, nicht als Erfolgsgarantie
Die in Ranglisten genannten Eigenkapitalanforderungen reichen von wenigen Tausend Euro bis zu sechsstelligen Summen. Diese Spannweite zeigt vor allem, wie unterschiedlich die Geschäftsmodelle hinter den Marken sind – von Bildungsangeboten mit sehr niedrigem Kapitalbedarf bis zu Einzelhandelskonzepten mit hohem Investitionsvolumen. Ein niedriger Eigenkapitalbedarf macht ein System nicht automatisch attraktiver, und ein hoher Betrag ist kein Garant für Qualität. Entscheidend ist, ob die geforderte Investition im Verhältnis zum tatsächlichen Marktpotenzial am gewünschten Standort steht.
Branchenmix sorgfältig lesen
Die bekannten Top-Listen bilden meist einen bunten Branchenmix ab: Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk, Fitness, Bildung, Pflege und Dienstleistungen stehen nebeneinander. Das macht den Vergleich zwischen einzelnen Systemen schwierig, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich stark. Ein etabliertes Gastronomiekonzept mit jahrzehntelanger Geschichte lässt sich kaum mit einem jungen Fitnesssystem vergleichen, das erst seit wenigen Jahren am Markt ist. Aspiranten sollten Rankings deshalb nie branchenübergreifend, sondern immer innerhalb der eigenen Zielbranche lesen.
Etablierte Systeme als Orientierungspunkt
Innerhalb der bekannten Übersichten finden sich zahlreiche Namen, die auch unabhängig von Ranglisten als etabliert gelten, etwa aus dem Bereich Einzelhandel und Dienstleistungen. Wer sich zum Beispiel für Tiernahrung und Zoobedarf interessiert, findet in der Übersicht der Franchise-Systeme entsprechende Konzepte, darunter DAS FUTTERHAUS oder ZOO & Co.. Auch im Pflegebereich gibt es mit PROMEDICA PLUS ein System, das in Ranglisten regelmäßig als Beispiel für Dienstleistungsfranchise genannt wird. Im Bereich Tee und Genuss taucht häufig TeeGschwendner auf. Solche Nennungen in mehreren unabhängigen Quellen sind ein deutlich verlässlicheres Signal als die Platzierung in einer einzelnen Liste.
Worauf es bei der eigenen Prüfung ankommt
Statt sich blind auf eine Rangliste zu verlassen, sollten angehende Franchisenehmer eigene Fragen stellen:
- Wie viele Jahre besteht das System bereits, und wie hat sich die Zahl der Standorte über die Zeit entwickelt?
- Wie transparent kommuniziert der Franchisegeber Eigenkapitalanforderungen und laufende Kosten?
- Gibt es unabhängige Bestätigungen für die genannten Zahlen, etwa durch Verbände oder mehrere Fachmedien?
- Passt die Branche und das Geschäftsmodell zum eigenen Standort und zur eigenen Erfahrung?
Diese Fragen lassen sich am besten beantworten, wenn man aktuelle Franchise-News verfolgt und Entwicklungen einzelner Systeme über einen längeren Zeitraum beobachtet, statt sich auf eine Momentaufnahme zu verlassen.
Was das für angehende Franchisenehmer bedeutet
Top-30-Listen sind ein nützlicher erster Überblick, aber kein Ersatz für eine eigene Due-Diligence-Prüfung. Wer vorhat, Kapital in ein Franchise-System zu investieren, sollte die genannten Eckdaten wie Gründungsjahr, Standortzahl und Eigenkapitalbedarf immer als Ausgangspunkt für weitere Recherche verstehen, nicht als Endergebnis. Ein persönliches Gespräch mit bestehenden Franchisenehmern, ein Blick in den Franchisevertrag und eine realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Reserven sind unverzichtbar, bevor eine Entscheidung fällt. So lässt sich vermeiden, einer kurzfristigen Mode statt einem wirklich tragfähigen Geschäftsmodell zu folgen.