Franchise eröffnen heißt: Sie übernehmen ein geprüftes Geschäftskonzept gegen eine Eintrittsgebühr und laufende Gebühren an den Franchisegeber. Ob sich der Schritt in die Selbstständigkeit auszahlt, entscheidet sich an drei Punkten: der Wahl des richtigen Systems, den tatsächlichen Kosten und einer sauberen Prüfung des Franchisegebers vor der Unterschrift.
Dieser Leitfaden zeigt die sieben Schritte vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterschrift, die realen Zahlen zu Eintrittsgebühr, laufender Franchisegebühr und Eigenkapital, sowie die Fehler, die neue Franchisenehmer am häufigsten in Schwierigkeiten bringen.
Franchise eröffnen: die 7 Schritte von der Systemwahl bis zur Unterschrift
Der Weg zum eigenen Franchise verläuft in sieben Etappen, die sich nicht sinnvoll überspringen lassen. Jede Etappe liefert Informationen, die Sie für die nächste brauchen.
- Branche eingrenzen. Legen Sie fest, ob Gastronomie, Einzelhandel oder ein Dienstleistungskonzept zu Ihrem Kapital und Ihrer Erfahrung passt.
- Systeme vergleichen. Prüfen Sie mehrere Franchisegeber parallel, nie nur einen. Eine Übersicht der Franchise-Systeme in Deutschland hilft beim ersten Marktüberblick nach Branche und Investitionshöhe.
- Erstkontakt und Unterlagen. Fordern Sie das Franchisehandbuch, die Musterkalkulation und eine Liste bestehender Franchisenehmer an.
- Due Diligence. Sprechen Sie mit mindestens drei aktiven Franchisenehmern außerhalb der vom Franchisegeber vermittelten Kontakte.
- Businessplan und Finanzierung. Erstellen Sie eine eigene Rentabilitätsrechnung, unabhängig von der Musterkalkulation des Systems.
- Franchisevertrag prüfen lassen. Ein auf Vertriebsrecht spezialisierter Anwalt liest den Vertrag, bevor Sie unterschreiben.
- Unterschrift und Gründung. Erst danach folgen Gewerbeanmeldung, Standortsuche und die Systemschulung.
Zwischen erstem Kontakt und Vertragsunterschrift vergehen bei seriösen Systemen üblicherweise mehrere Monate. Wer deutlich schneller unterschreibt, überspringt meist die Due Diligence.
Franchise oder eigene Geschäftsidee: ein ehrlicher Vergleich
Ein Franchise lohnt sich vor allem dann, wenn Ihnen ein erprobtes System und laufende Unterstützung wichtiger sind als völlige unternehmerische Freiheit. Bei einer eigenen Gründung ohne Systembindung tragen Sie dagegen jedes Risiko, aber auch jede Entscheidung allein.
Vorteile eines Franchisesystems
- Erprobtes Geschäftsmodell mit vorhandener Markenbekanntheit statt Aufbau bei null
- Schulung, Handbuch und laufende Unterstützung durch die Systemzentrale
- Einkaufsvorteile durch die Verhandlungsmacht des gesamten Systems
- Erfahrungsaustausch mit anderen Franchisenehmern im selben System
Nachteile eines Franchisesystems
- Eingeschränkte unternehmerische Freiheit bei Sortiment, Preisen und Marketing
- Laufende Franchisegebühr, die auch in umsatzschwachen Monaten fällig wird
- Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Stabilität der Systemzentrale
- Nachvertragliches Wettbewerbsverbot, das die Optionen nach einer Kündigung einschränkt
Was kostet ein Franchise wirklich? Eintrittsgebühr, laufende Gebühr und Eigenkapital
Ein Franchise kostet aus drei Bausteinen: einer einmaligen Eintrittsgebühr, einer laufenden Franchisegebühr auf den Umsatz und dem Eigenkapital, das Sie selbst einbringen müssen.
Eintrittsgebühr und Gesamtinvestition
Die Eintrittsgebühr liegt laut Franchise-Monitor im Schnitt bei rund 10.300 Euro, mit erheblicher Spannbreite zwischen den Systemen.
Laut derselben Erhebung liegt die gesamte Anfangsinvestition bei mehr als der Hälfte der Franchisesysteme unter 50.000 Euro. Bei rund 40 Prozent der Systeme liegt sie zwischen 100.000 und 200.000 Euro, bei den restlichen 7 Prozent darüber.
Zur Gesamtinvestition zählen neben der Eintrittsgebühr auch Ladenbau, Geschäftsausstattung und der erste Warenbestand. Je nach Konzept fließen zusätzliche Positionen wie Kautionen für die Ladenfläche oder eine erste Marketingkampagne zur Eröffnung ein.
Laufende Franchisegebühr und Werbegebühr
Die laufende Franchisegebühr liegt in Deutschland typischerweise zwischen 1 und 15 Prozent des Nettoumsatzes, wie der Deutsche Franchiseverband angibt. Sie deckt Know-how, Schulung, Markenschutz und die Weiterentwicklung des Systems ab.
Manche Systeme verzichten auf eine Eintrittsgebühr und verlangen dafür eine höhere laufende Gebühr.
Zusätzlich erheben einige Franchisegeber eine separate Werbegebühr. Prüfen Sie vertraglich, ob diese tatsächlich zweckgebunden in regionale und überregionale Werbung fließt.
Wie viel Eigenkapital brauchen Sie?
Sie brauchen in der Regel rund 20 Prozent der Gesamtinvestition als Eigenkapital, das ist der Richtwert, den der Deutsche Franchiseverband nennt. Bürgschaftsbanken können bis zu 80 Prozent des Kreditausfallrisikos übernehmen, wodurch teils 15 bis 20 Prozent Eigenkapital für die Finanzierung ausreichen.
Ohne jedes Eigenkapital funktioniert kaum ein seriöses System. Banken und Franchisegeber werten fehlendes Eigenkapital als Risikosignal.
Due-Diligence: So prüfen Sie den Franchisegeber vor der Unterschrift
Eine gründliche Due-Diligence bedeutet, dass Sie die wirtschaftlichen Kennzahlen, die Vertragsbedingungen und die Erfahrungen bestehender Franchisenehmer prüfen, bevor Sie unterschreiben, nicht danach.
Der Franchisegeber unterliegt einer vorvertraglichen Aufklärungspflicht: Er muss Umstände offenlegen, die nur ihm bekannt sind und die Ihre Entscheidung beeinflussen könnten, etwa realistische Umsatz- und Ertragsaussichten.
Das Oberlandesgericht München hat 2021 bestätigt, dass diese Pflicht auf Treu und Glauben nach §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 BGB beruht. Eine Vertragsaufhebung ist dabei nur bei vorsätzlicher Verletzung möglich.
Praktisch heißt das: Verlassen Sie sich nicht allein auf mündliche Zusagen zu Umsatz und Gewinn. Lassen Sie sich Prognosen schriftlich geben und fragen Sie nach der Berechnungsgrundlage.
- Wie lange besteht das System bereits am Markt, und wie viele Franchisenehmer haben in den letzten drei Jahren gekündigt?
- Ist der Franchisegeber Vollmitglied im Deutschen Franchiseverband und hält er sich an dessen Ethikkodex?
- Können Sie den Jahresabschluss der Systemzentrale einsehen?
- Enthält der Vertrag ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, und wie lange gilt es?
- Wer trägt die Kosten für Modernisierung, Rebranding oder Software-Updates während der Vertragslaufzeit?
Der Deutsche Franchiseverband stellt eine eigene Checkliste für Franchisenehmer bereit, die diese Fragen strukturiert durchgeht.
Fragen Sie zusätzlich nach dem Systemreport oder Jahresbericht der Systemzentrale und nach der durchschnittlichen Verweildauer bestehender Franchisenehmer im System. Eine hohe Fluktuation ist ein deutliches Warnsignal, auch wenn der Franchisegeber im Erstgespräch überzeugend auftritt.
Die häufigsten Fehler, die neue Franchisenehmer scheitern lassen
Die meisten Franchisenehmer scheitern nicht am Konzept, sondern an vermeidbaren Fehlern vor und nach der Unterschrift. Die folgenden Punkte tauchen in der Beratungspraxis immer wieder auf, unabhängig von der Branche.
- Keine unabhängige Prüfung des Franchisegebers. Wer nur mit den vom Franchisegeber vermittelten Kontakten spricht, sieht ein geschöntes Bild.
- Zu knappes Finanzierungspolster. Anlaufverluste in den ersten Monaten sind normal, wer sie nicht einkalkuliert, gerät früh unter Druck.
- Standort ohne eigene Marktanalyse. Die Musterkalkulation des Systems bildet nicht automatisch Ihren Standort ab.
- Abweichen vom Systemhandbuch. Eigene Anpassungen an Sortiment oder Abläufen widersprechen oft dem Vertrag und schwächen die Systemleistung.
- Vertragsprüfung ohne Anwalt. Ein auf Franchise- und Vertriebsrecht spezialisierter Anwalt kostet weniger als eine einzige Fehlentscheidung im Vertrag.
Beispiel: So rechnet sich ein Franchise in der Praxis
Eine angehende Franchisenehmerin entscheidet sich für ein Fitnessstudio-Franchise aus dem Bereich Beauty & Fitness. Die Gesamtinvestition liegt bei 220.000 Euro, darin enthalten sind Eintrittsgebühr, Geräte und Umbau.
Als Eigenkapital bringt sie 45.000 Euro ein, etwas mehr als 20 Prozent der Gesamtinvestition. Den Rest finanziert sie über einen Bankkredit mit Unterstützung einer Bürgschaftsbank.
Die laufende Franchisegebühr liegt bei 6 Prozent des Nettoumsatzes, dazu kommt eine Werbegebühr von 2 Prozent.
Im ersten Betriebsjahr rechnet sie mit einer Anlaufphase von rund sechs Monaten, bevor das Studio die Gewinnschwelle erreicht. Dieses Polster hat sie vorab in ihrem Businessplan eingerechnet, nicht erst, als das Geld knapp wurde.
Wann sich ein Franchise nicht lohnt
Ein Franchise lohnt sich nicht, wenn Sie kein Finanzierungspolster für die Anlaufphase haben, sich nicht an Systemvorgaben halten wollen oder der Zielmarkt am gewünschten Standort bereits gesättigt ist.
Versteckte Kosten tauchen oft erst im Kleingedruckten auf: Pflicht zur Renovierung bei Rebranding, Mindestabnahmemengen beim Wareneinkauf über die Systemzentrale, oder Nachschulungsgebühren bei neuen Produktlinien.
Fragen Sie diese Posten aktiv ab, sie stehen selten prominent im Verkaufsgespräch.
Ein weiteres Risiko ist das nachvertragliche Wettbewerbsverbot: Nach Vertragsende dürfen Sie oft für eine bestimmte Zeit kein ähnliches Geschäft am selben Standort betreiben. Investitionen in Ladenbau sind bei vorzeitiger Kündigung meist nicht erstattungsfähig.
Wenn Ihnen diese Bindung zu eng ist, prüfen Sie alternativ Konzepte aus dem Bereich Dienstleistungen oder Einzelhandel mit geringerer Investitionshöhe und kürzeren Vertragslaufzeiten.
Checkliste: In 10 Schritten zum eigenen Franchise
Diese Checkliste fasst die entscheidenden Prüfpunkte zusammen, bevor Sie unterschreiben.
- Mindestens drei Systeme aus derselben oder verwandten Branchen wie Gastronomie vergleichen
- Franchisehandbuch und Musterkalkulation schriftlich anfordern
- Mit mindestens drei bestehenden Franchisenehmern unabhängig sprechen
- Eigene Rentabilitätsrechnung für den konkreten Standort erstellen
- Eigenkapitalquote von rund 20 Prozent der Gesamtinvestition einplanen
- Finanzierungspolster für mindestens sechs Monate Anlaufphase einrechnen
- Franchisevertrag von einem Fachanwalt für Vertriebsrecht prüfen lassen
- Nachvertragliches Wettbewerbsverbot und Kündigungsfristen klären
- Mitgliedschaft des Franchisegebers im Deutschen Franchiseverband prüfen
- Erst nach schriftlicher Klärung aller offenen Punkte unterschreiben
Wer diese zehn Punkte konsequent abarbeitet, geht mit realistischen Erwartungen und ohne böse Überraschungen in den Franchisevertrag. Die Zeit für eine gründliche Prüfung zahlt sich in den ersten Betriebsjahren fast immer aus.