Was muss ein Franchise Businessplan für die Bank enthalten?
Ein bankfähiger Franchise Businessplan besteht aus drei Kernbausteinen: dem Kapitalbedarfsplan, der Rentabilitätsvorschau für die ersten drei bis fünf Jahre und dem Liquiditätsplan auf Monatsbasis. Ergänzt werden diese Zahlen durch einen Textteil mit Konzeptbeschreibung, Standortanalyse, Markteinschätzung und persönlichem Lebenslauf des Gründers. Banken und die KfW prüfen vor allem, ob die Zahlen plausibel hergeleitet sind und ob die Rückzahlung des Kredits aus der geplanten Liquidität realistisch erscheint – nicht nur, ob am Ende ein positives Ergebnis steht.
Wer sich für ein etabliertes Konzept aus der Übersicht der Franchise-Systeme entscheidet, hat gegenüber einer klassischen Existenzgründung einen Vorteil: Ein Teil der Planungsgrundlagen liefert der Franchisegeber. Trotzdem bleibt die Verantwortung für den Businessplan beim Franchisenehmer, denn die Bank finanziert ihn persönlich, nicht das System.
Welche Teile des Businessplans liefert der Franchisegeber?
Ein seriöser Franchisegeber stellt in der Regel Musterkalkulationen, Investitionsrahmen und teils auch anonymisierte Kennzahlen bestehender Partnerbetriebe zur Verfügung. Diese Unterlagen bilden das Gerüst für die eigene Planung, ersetzen aber keine individuelle Prüfung. Der Franchisegeber kennt sein System, nicht Ihren konkreten Standort und Ihre persönliche Kostenstruktur.
Typische Unterlagen aus dem Franchise-System
- Musterinvestitionsplan mit Positionen für Ausstattung, Erstlizenz und Kaution
- Kalkulationshilfen für Wareneinsatz, Personalquote oder Materialkosten je nach Branche
- Erfahrungswerte zur Anlaufphase und zum typischen Umsatzverlauf
- Vorlagen für die Standortbewertung, etwa zu Einzugsgebiet oder Passantenfrequenz
- Musterverträge mit Lieferanten oder Ausstattern, die Preisrahmen vorgeben
Was Sie trotzdem selbst prüfen müssen
- Ob die im System üblichen Umsatzannahmen auf Ihren konkreten Standort übertragbar sind
- Lokale Mietpreise, Personalkosten und regionale Besonderheiten des Marktes
- Ihre persönliche Kostenstruktur, etwa Krankenversicherung, private Altersvorsorge und Lebenshaltungskosten als Unternehmerlohn
- Zusätzliche Finanzierungskosten, die im Musterplan des Franchisegebers oft nicht enthalten sind
- Ob die vom Franchisegeber genannten Werte auf tatsächlichen Betriebszahlen oder auf optimistischen Zielszenarien beruhen
Wie baut man den Kapitalbedarfsplan richtig auf?
Der Kapitalbedarfsplan listet alle Ausgaben auf, die vor und unmittelbar nach der Eröffnung anfallen, und zeigt, wie viel Eigenkapital und Fremdkapital insgesamt benötigt werden. Er ist die Grundlage für die Kreditsumme, die bei der Bank beantragt wird, und sollte deshalb möglichst vollständig sein – unvollständige Kapitalbedarfspläne führen später häufig zu ungeplanten Nachfinanzierungen.
Positionen, die oft vergessen werden
- Beratungs- und Notarkosten rund um Vertragsabschluss und Gründung
- Kosten für Genehmigungen, Konzessionen oder behördliche Auflagen
- Anlaufverluste der ersten Monate, solange der Umsatz noch nicht ausreicht
- Kaution und erste Monatsmieten für die Gewerbefläche
- Ein Liquiditätspuffer für unvorhergesehene Ausgaben
Wer ein Konzept aus dem Bereich Gastronomie oder Systemgastronomie plant, etwa bei L’Osteria oder Domino’s Pizza Deutschland, sollte insbesondere die Kosten für Küchentechnik, Umbauten und behördliche Abnahmen realistisch und mit Puffer einplanen, da hier Bauverzögerungen häufig zusätzliche Liquidität binden.
Wie erstellt man eine realistische Rentabilitätsvorschau?
Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob das Geschäftsmodell mittelfristig Gewinn erwirtschaftet, indem sie geplante Umsätze den laufenden Kosten gegenüberstellt – meist für die ersten drei bis fünf Jahre. Sie unterscheidet sich vom Liquiditätsplan dadurch, dass sie auf Periodenabgrenzung basiert und nicht auf tatsächlichen Zahlungsflüssen. Banken vergleichen die vorgelegten Zahlen häufig mit branchenüblichen Kennzahlen und hinterfragen kritisch, wenn die Werte deutlich davon abweichen.
Aufbau der Rentabilitätsvorschau
- Umsatzplanung, aufgeschlüsselt nach Produktgruppen oder Leistungsarten
- Wareneinsatz beziehungsweise Materialkosten als Prozentsatz vom Umsatz
- Personalkosten inklusive Lohnnebenkosten und geplantem Personalaufbau
- Miete, Franchisegebühren, Marketingumlage und sonstige laufende Fixkosten
- Abschreibungen auf die Anfangsinvestition
- Zinsen für das aufgenommene Fremdkapital
Franchisegebühren und Marketingumlagen sind vertraglich fixiert und daher gut planbar; sie sollten stets aus dem Franchisevertrag und nicht aus mündlichen Aussagen übernommen werden. Bei Systemen mit laufender Wareneinsatzbindung an zentrale Lieferanten, wie es in der Bäckerei- oder Systemgastronomie üblich ist, etwa bei BackWerk oder Kamps, lohnt sich ein genauer Blick auf die vertraglich vorgegebenen Einkaufskonditionen, da sie die Kalkulation der Rohertragsmarge direkt beeinflussen.
Wie funktioniert der Liquiditätsplan im Detail?
Der Liquiditätsplan bildet auf Monatsbasis ab, wann tatsächlich Geld auf dem Konto ein- und ausgeht, und deckt damit die Zahlungsfähigkeit des Betriebs auf – unabhängig davon, ob die Rentabilitätsvorschau insgesamt positiv ausfällt. Gerade in der Anlaufphase klaffen Rentabilität und Liquidität oft auseinander, weil Investitionen sofort bezahlt werden müssen, während Umsätze erst langsam anlaufen. Für Banken ist der Liquiditätsplan deshalb häufig aussagekräftiger als die reine Gewinnplanung.
Worauf es im Liquiditätsplan ankommt
- Realistische Anlaufkurve statt sofortiger Vollauslastung ab Monat eins
- Zahlungsziele von Kunden und Lieferanten korrekt berücksichtigen
- Saisonale Schwankungen einplanen, etwa bei Reisebüros oder Freizeitkonzepten
- Tilgung und Zinsen des Kredits als feste monatliche Ausgabe einrechnen
- Regelmäßige Aktualisierung nach der Eröffnung, nicht nur einmalige Planung
Bei Franchisesystemen mit starker Saisonalität, etwa im Reisevertrieb wie Lufthansa City Center oder TUI Franchise, ist ein monatsgenauer Liquiditätsplan besonders wichtig, weil Provisionseinnahmen unregelmäßig anfallen können, während Fixkosten konstant bleiben.
Welche Fehler führen häufig zur Ablehnung durch die Bank?
Die häufigsten Ablehnungsgründe sind zu optimistische Umsatzannahmen ohne nachvollziehbare Herleitung, ein zu knapp bemessener Kapitalbedarf ohne Puffer sowie ein fehlender oder unvollständiger Liquiditätsplan. Auch wenn der Textteil des Businessplans die Konzeptbeschreibung des Franchisegebers nur kopiert, ohne die persönliche Eignung und den konkreten Standort darzustellen, wirkt das auf Banken unglaubwürdig.
So erhöhen Sie die Chancen auf Zusage
- Zahlen konsequent aus geprüften Quellen ableiten und Annahmen kurz begründen
- Eigenkapitalanteil realistisch darstellen, auch wenn er gering ausfällt
- Den Franchisevertrag vollständig einsehen und geprüft haben, bevor der Businessplan finalisiert wird
- Bei KfW-Anträgen die formalen Vorgaben der jeweiligen Förderbank exakt einhalten
- Eine zweite, vorsichtigere Umsatzvariante als Alternativszenario mitliefern
Bevor der Businessplan geschrieben wird, sollte der Franchisevertrag selbst genau geprüft werden, da Gebührenstruktur, Laufzeit und Wettbewerbsklauseln direkt in die Kalkulation einfließen. Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und neue Konzepte auf dem deutschen Markt liefert zudem die Rubrik Franchise-News, die bei der Einschätzung von Marktchancen hilfreich sein kann.