Wer in Deutschland mit dem Gedanken spielt, als Multi-Unit-Franchisenehmer mehrere Standorte einer Marke gleichzeitig zu betreiben, sollte den Fall Cerca Trova genau studieren. Das Unternehmen war über Jahre der größte inländische Franchisenehmer von Outback Steakhouse in den USA – und hat nun nach dem US-amerikanischen Chapter 11 Insolvenz angemeldet. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schnell aus einem scheinbar stabilen Multi-Unit-Betrieb ein finanzielles Risiko werden kann, wenn Kostendruck, Schulden und sinkende Umsätze gleichzeitig zuschlagen.
Der Fall Cerca Trova: Vom Branchenprimus zur Insolvenz
Cerca Trova Restaurant Group Holdings, mit Sitz in San Diego und auch unter dem Namen Out West Restaurant Group bekannt, betrieb zuletzt 61 Outback-Steakhouse-Restaurants in den westlichen US-Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Nevada, Colorado und New Mexico. Noch 2018 waren es 99 Standorte gewesen – ein deutlicher Rückgang, der auf strukturelle Probleme hindeutet. Gleichzeitig stieg die Verschuldung des Unternehmens von 269 Millionen US-Dollar Ende 2020 auf rund 449 Millionen US-Dollar. Nach Gerichtsunterlagen verfügte Cerca Trova zuletzt über weniger als 50.000 US-Dollar an Vermögenswerten, bei Verbindlichkeiten zwischen 100 und 500 Millionen US-Dollar.
CEO David Goronkin erklärte laut Bloomberg, mehrere Belastungsfaktoren seien zusammengekommen: sinkende Gästezahlen und Erträge bei gleichzeitig steigenden Kosten für Lebensmittel, Personal und Produktion. Als konkrete Treiber nannte das Unternehmen gestiegene Zutatenpreise und den von Kalifornien vorgeschriebenen Mindestlohn. Rund 3.700 Beschäftigte sind von der Entwicklung betroffen.
Die Rolle der Konzernmutter Bloomin Brands
Bemerkenswert ist die Reaktion der Markeninhaberin: Bloomin Brands, die Muttergesellschaft von Outback, hat bereits eine Vereinbarung zum Kauf nahezu aller Vermögenswerte von Out West für 26,3 Millionen US-Dollar unterzeichnet, vorbehaltlich höherer Gebote und gerichtlicher Genehmigung im Rahmen eines Bieterverfahrens. Zusätzlich sagte Bloomin bis zu 5,5 Millionen US-Dollar an zinsloser Finanzierung zu, um den Betrieb während des Insolvenzverfahrens aufrechtzuerhalten. Out West wiederum will weiterhin Franchisegebühren, Lizenzgebühren und Mieten an Bloomin zahlen – ein Zeichen dafür, dass der Markeninhaber ein starkes Interesse daran hat, den Betrieb der Restaurants nicht zu gefährden.
Bloomin Brands betonte, der Insolvenzantrag habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Betrieb der Restaurants und stelle einen isolierten Einzelfall dar, der die eigene Finanzierung und Liquidität nicht beeinträchtige. Zum Vergleich: Von insgesamt 659 Outback-Restaurants im Juni wurden 544 direkt von Bloomin selbst betrieben, der Rest über Franchisenehmer wie Cerca Trova.
Was Aspiranten aus diesem Fall lernen sollten
Für angehende Franchisenehmer in Deutschland liefert der Fall drei zentrale Warnsignale, die bei der Due-Diligence-Prüfung vor einer Investition beachtet werden sollten:
- Verschuldungsgrad des Franchisenehmers oder Area Developers: Ein stark steigender Schuldenstand bei gleichzeitig sinkender Einheitenzahl ist ein klares Warnsignal für strukturelle Probleme, unabhängig davon, wie stark die Marke selbst ist.
- Kostenstruktur und regionale Rahmenbedingungen: Lohnkosten, Energiepreise und Rohstoffpreise entwickeln sich je nach Standort und Region sehr unterschiedlich. Wer mehrere Einheiten in einer Region konzentriert, bündelt auch deren spezifische Kostenrisiken.
- Konzentrationsrisiko bei Multi-Unit-Modellen: Je mehr Einheiten ein einzelner Franchisenehmer betreibt, desto größer ist der Schaden, wenn dieser in finanzielle Schieflage gerät – sowohl für den Betreiber selbst als auch für die Reputation der Marke vor Ort.
Gleichzeitig zeigt der Fall auch, dass eine starke Markenführung Stabilität schaffen kann: Die Bereitschaft von Bloomin Brands, den Betrieb über eine Übernahmevereinbarung und eine Zwischenfinanzierung zu sichern, verdeutlicht, wie wichtig die finanzielle Substanz und das Engagement des Markeninhabers im Krisenfall sind.
Praktische Konsequenzen für den Einstieg in ein Franchise in Deutschland
Wer in Deutschland ein Multi-Unit-Modell in Betracht zieht, sollte vor der Unterschrift einige konkrete Schritte unternehmen. Dazu gehört eine gründliche Prüfung der Finanzkennzahlen potenzieller Area Developer oder Master-Franchisenehmer, falls man selbst nicht als Erstinvestor, sondern als Sub-Franchisenehmer einsteigt. Ebenso wichtig ist die Einschätzung, wie stark das eigene Geschäftsmodell von regionalen Kostenfaktoren wie Mindestlohn oder Energiepreisen abhängt.
Diversifikation kann ebenfalls ein sinnvoller Schutzmechanismus sein: Statt alles auf eine Marke oder einen Standorttyp zu setzen, kann die Verteilung des Kapitals auf unterschiedliche Konzepte oder Regionen das persönliche Risiko senken. Einen Überblick über verschiedene Systeme und Branchen bietet die Übersicht der Franchise-Systeme, die als erster Orientierungspunkt für den Vergleich unterschiedlicher Geschäftsmodelle dienen kann. Wer sich zusätzlich über aktuelle Entwicklungen und Warnsignale am Markt informieren möchte, findet entsprechende Hintergrundberichte in den aktuellen Franchise-News.
Nicht zuletzt lohnt sich der Blick auf etablierte Systeme mit solider Governance-Struktur, etwa im Fitness- oder Dienstleistungsbereich, wie sie beispielsweise bei INJOY oder MC Shape zu finden sind, oder im Bereich Unternehmensberatung und -nachfolge, wie bei KERN Unternehmensnachfolge. Entscheidend bleibt in jedem Fall eine realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Reserven und eine kritische Prüfung der Partner, über die man in ein System einsteigt.
