Was bedeutet es, ein Franchise-Unternehmen zu gründen?
Wer ein Franchise-Unternehmen gründen möchte, übernimmt kein völlig neues Geschäftsmodell, sondern lizenziert ein bereits erprobtes System: Marke, Betriebskonzept, Einkaufsstrukturen und laufende Unterstützung durch den Franchisegeber. Im Gegenzug zahlt der Franchisenehmer eine Einstiegsgebühr sowie laufende Gebühren und verpflichtet sich, die Vorgaben des Systems einzuhalten. Der Gründungsprozess unterscheidet sich damit deutlich von einer klassischen Selbstständigkeit, da viele Entscheidungen – vom Ladenlayout bis zur Preisgestaltung – bereits vorgegeben sind.
Der Weg von der ersten Idee bis zur Vertragsunterschrift verläuft in mehreren klar abgrenzbaren Phasen. Wer diese Etappen kennt und die passenden Unterlagen zum richtigen Zeitpunkt anfordert, reduziert das Risiko erheblich und gewinnt Zeit.
Welche Phasen durchläuft die Gründung eines Franchise-Unternehmens?
Phase 1: Selbstanalyse und Branchenauswahl
Bevor Sie sich mit konkreten Systemen beschäftigen, sollten Sie ehrlich prüfen, welche Branche zu Ihren Fähigkeiten, Ihrem Kapital und Ihrer Lebenssituation passt. Fragen Sie sich:
- Wie viel Eigenkapital steht tatsächlich zur Verfügung?
- Möchten Sie selbst operativ mitarbeiten oder eher ein Team führen?
- Welche Vorkenntnisse bringen Sie mit, welche fehlen noch?
- Wie viel Zeit können Sie in den Aufbau investieren?
Diese Phase dauert in der Regel mehrere Wochen und bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Phase 2: Systeme recherchieren und vergleichen
Anschließend folgt die Marktsichtung. Franchisemessen, Verzeichnisse von Franchiseverbänden und direkte Anfragen bei Systemzentralen liefern erste Informationen. Wichtig ist, nicht nur auf die Investitionshöhe zu schauen, sondern auch auf:
- die Stabilität und Historie des Systems
- die Qualität der Schulungs- und Betreuungsangebote
- die Transparenz der Kommunikation seitens des Franchisegebers
- bestehende Franchisenehmer und deren Erfahrungen
Phase 3: Erstgespräche und Unterlagenprüfung
Sobald ein oder mehrere Systeme in Frage kommen, beginnt der eigentliche Auswahlprozess. Fordern Sie in dieser Phase folgende Dokumente an:
- Franchise-Handbuch oder Systembeschreibung
- Musterfranchisevertrag zur frühen Durchsicht
- Aufstellung der Investitionskosten inklusive Nebenkosten
- Informationen zu laufenden Gebühren (Franchisegebühr, Werbebeitrag)
- Referenzliste bestehender Franchisenehmer
- Angaben zu Schulungsdauer und -inhalten
Diese Phase kann je nach Reaktionsgeschwindigkeit des Franchisegebers zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten dauern.
Phase 4: Business- und Finanzplanung
Auf Basis der erhaltenen Zahlen erstellen Sie einen eigenen Businessplan, idealerweise mit Unterstützung eines Steuerberaters oder eines auf Franchise spezialisierten Beraters. Dazu gehören:
- ein realistischer Finanzierungsplan mit Eigenkapitalanteil
- eine Liquiditätsplanung für die Anlaufphase
- eine Standortanalyse, falls ein physischer Betrieb geplant ist
Die Investitionshöhe variiert stark je nach Branche und System – von kleineren Konzepten mit geringerem Kapitalbedarf bis zu Systemen, die deutlich höhere Summen erfordern. Häufig bewegen sich seriöse Angebote in einer Bandbreite ab 80.000 € Gesamtinvestition, wobei dies stark vom Geschäftsmodell abhängt und in Einzelfällen auch niedriger oder deutlich höher liegen kann.
Phase 5: Standortsuche und Finanzierungsgespräche
Parallel zur Planung läuft meist die Suche nach einem geeigneten Standort, sofern das Geschäftsmodell einen Laden, ein Büro oder eine Werkstatt voraussetzt. Gleichzeitig nehmen Sie Kontakt zu Banken oder Förderinstituten auf. Diese Phase ist oft die zeitintensivste, da Standortverhandlungen und Kreditzusagen mehrere Monate in Anspruch nehmen können.
Phase 6: Vertragsprüfung und Unterschrift
Erst wenn Finanzierung und Standort weitgehend gesichert sind, folgt die finale Vertragsprüfung. Lassen Sie den Franchisevertrag unbedingt von einem im Franchiserecht erfahrenen Anwalt prüfen. Achten Sie dabei besonders auf:
- Laufzeit und Verlängerungsoptionen
- Wettbewerbsverbote während und nach Vertragsende
- Kündigungsfristen und -gründe
- Regelungen zur Rückgabe oder Übertragung des Betriebs
Erst nach dieser Prüfung sollte die Unterschrift erfolgen.
Wie lange dauert es realistisch, ein Franchise-Unternehmen zu gründen?
Ein pauschaler Zeitrahmen lässt sich nicht seriös nennen, da die Dauer stark vom gewählten System, der Verfügbarkeit passender Standorte und der Geschwindigkeit der Finanzierungszusage abhängt. In der Praxis vergehen zwischen der ersten Kontaktaufnahme und der Vertragsunterschrift häufig mehrere Monate, in manchen Fällen auch deutlich länger, insbesondere wenn ein Standort erst gefunden oder umgebaut werden muss. Wer diesen Zeitbedarf von Anfang an einplant, vermeidet unnötigen Druck bei wichtigen Entscheidungen.
Welche Dokumente sollten Sie unbedingt vor der Unterschrift einfordern?
- vollständiger Franchisevertrag inklusive aller Anlagen
- detaillierte Kostenaufstellung für Erstinvestition und laufenden Betrieb
- Angaben zu bisherigen Vertragsbeendigungen im System, sofern der Franchisegeber diese offenlegt
- Musterrechnungen zu Werbebeiträgen und Systemgebühren
- Kontaktdaten bestehender Franchisenehmer für eigene Rückfragen
Ein seriöser Franchisegeber wird diese Anfragen nicht als Misstrauen werten, sondern als Zeichen einer sorgfältigen unternehmerischen Vorbereitung.
Welche typischen Fehler sollten Sie beim Gründen vermeiden?
- zu schnelle Entscheidung ohne Vergleich mehrerer Systeme
- Unterschätzung der laufenden Kosten neben der Einstiegsgebühr
- Vertragsprüfung ohne fachkundige rechtliche Beratung
- fehlende Liquiditätsreserve für die Anlaufphase
- Standortentscheidung ohne unabhängige Marktanalyse
Wer diese Fehler vermeidet und den Gründungsprozess strukturiert angeht, schafft eine solide Basis für den Einstieg ins Franchise.