Franchise eintragen

Franchise Rentabilität berechnen: Deckungsbeitrag, Break-even und Unternehmerlohn richtig kalkulieren

Redaktion Start Franchising AI-Powered
Franchise Rentabilität berechnen: Deckungsbeitrag, Break-even und Unternehmerlohn richtig kalkulieren

Wie berechnet man die Rentabilität eines Franchise realistisch?

Die Rentabilität eines Franchise lässt sich realistisch berechnen, indem man vier Größen selbst durchrechnet: den Deckungsbeitrag pro Umsatzeinheit, den Break-even-Umsatz, einen angemessenen Unternehmerlohn und den monatlichen Kapitaldienst für Investition und Betriebsmittel. Wer nur die Werbeaussagen des Franchisegebers oder pauschale Marktangaben übernimmt, rechnet an der eigenen Realität vorbei, weil Standort, Mietniveau und persönliche Fixkosten stark variieren. Erst wenn diese vier Bausteine zusammenpassen, lässt sich seriös sagen, ob sich ein Franchise-System für die eigene Situation lohnt.

Die gute Nachricht: Man braucht dafür keine Unternehmensberatung. Mit den Zahlen aus dem Franchisegeber-Exposé, ein paar Rückfragen an bestehende Franchisenehmer und einer einfachen Tabellenkalkulation lässt sich eine belastbare Rentabilitätsrechnung selbst erstellen.

Was gehört in eine eigene Rentabilitätsrechnung?

Eine eigene Rentabilitätsrechnung besteht aus der Umsatzplanung, dem Deckungsbeitrag, den Fixkosten inklusive Franchisegebühren, dem Break-even-Punkt und dem Kapitaldienst für Kredite. Diese Bausteine ergeben zusammen ein Bild davon, ab welchem Umsatz das Geschäft tragfähig ist und wie viel finanzieller Spielraum danach für den eigenen Lebensunterhalt bleibt.

Deckungsbeitrag: Was bleibt vom Umsatz wirklich übrig?

Der Deckungsbeitrag zeigt, was vom Umsatz nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt, um die Fixkosten zu decken. Bei einer Gastronomie sind das etwa Wareneinsatz und variable Personalkosten, bei einer Dienstleistung eher Materialeinsatz und Provisionen. Wichtig ist, den Deckungsbeitrag pro Einheit realistisch anzusetzen und nicht die günstigste Annahme des Franchisegebers unkritisch zu übernehmen.

  • Variable Kosten pro Bestellung, Kunde oder Auftrag identifizieren
  • Deckungsbeitrag = Umsatz minus variable Kosten
  • Deckungsbeitragsquote (in Prozent) mit Vergleichswerten anderer Franchisenehmer abgleichen

Break-even: Ab welchem Umsatz wird es kostendeckend?

Der Break-even-Punkt gibt den Umsatz an, ab dem alle Fixkosten gedeckt sind, also Miete, Personal, Franchisegebühren, Versicherungen und Abschreibungen. Er berechnet sich, indem man die gesamten Fixkosten durch die Deckungsbeitragsquote teilt. Erst oberhalb dieses Punktes entsteht ein Gewinn, aus dem später Unternehmerlohn und Kapitaldienst bezahlt werden.

Unternehmerlohn: Warum er nicht optional ist

Der Unternehmerlohn ist der Betrag, den man sich selbst als Gegenwert für die eigene Arbeitszeit im Betrieb zahlen müsste, und er muss in der Rentabilitätsrechnung als Kostenposition auftauchen, nicht erst am Ende als «Rest». Viele Kalkulationen scheitern daran, dass der Gewinn nur auf dem Papier positiv aussieht, weil die eigene Arbeitsleistung gar nicht eingepreist wurde. Wer als Franchisenehmer 50 oder 60 Stunden pro Woche im eigenen Betrieb steht, sollte diesen Einsatz mit einem realistischen Stundensatz bewerten und in die Fixkosten einrechnen.

Kapitaldienst: Was Zins und Tilgung wirklich bedeuten

Der Kapitaldienst umfasst Zins und Tilgung für alle aufgenommenen Kredite und muss monatlich aus dem Gewinn nach Unternehmerlohn bedient werden können. Bei einer Investition von 75.000 € Median im Markt, teilweise fremdfinanziert, ergeben sich über die Laufzeit feste monatliche Belastungen, die unabhängig vom Geschäftsverlauf fällig werden. Eine Rentabilitätsrechnung, die den Kapitaldienst ignoriert, blendet genau das Risiko aus, das in schwachen Monaten am schnellsten zum Liquiditätsproblem wird.

Welche Daten sollte man von bestehenden Franchisenehmern erfragen?

Von bestehenden Franchisenehmern sollte man konkrete, betriebsindividuelle Zahlen erfragen: tatsächlichen Umsatz nach Anlaufphase, Personalkostenquote, Wareneinsatz oder Materialquote, tatsächliche Franchisegebühren-Belastung und die Dauer bis zum eigenen Break-even. Durchschnittswerte aus Systempräsentationen sagen wenig über die Situation an einem konkreten Standort aus, weil sie oft die besten Standorte mit einrechnen.

  • Wie lange hat es bis zur Kostendeckung gedauert, realistisch und nicht optimistisch?
  • Welche laufenden Kosten wurden im Exposé unterschätzt oder gar nicht erwähnt?
  • Wie hoch war der tatsächliche Eigenkapitalbedarf am Ende, verglichen mit der ursprünglichen Planung?
  • Wie stark schwankt der Umsatz saisonal, und wie wurde das finanziell abgefedert?

Ein Gespräch mit zwei oder drei bestehenden Franchisenehmern aus unterschiedlichen Regionen liefert deutlich belastbarere Anhaltspunkte als jede Musterrechnung. Wer sich vorab einen Überblick über die Liste der Franchise-Systeme verschafft, kann gezielt Systeme vergleichen, bei denen sich mehrere Bestandspartner befragen lassen.

Welche Rolle spielt die Branche bei der Rentabilitätsfrage?

Die Branche beeinflusst die Rentabilität massgeblich, weil Investitionshöhe, Margenstruktur und Personalintensität stark variieren. Ein Blick auf die Verteilung im Markt zeigt, wie unterschiedlich die Einstiegsschwellen ausfallen.

BrancheErfasste SystemeMedian-Investition
Gastronomie24155.000 €
Beauty & Fitness1395.000 €
Immobilien580.000 €
B2B-Dienstleistungen653.000 €
Einzelhandel6150.000 €
B2C-Dienstleistungen630.000 €

Quelle: eigener Katalog, 71 Systeme mit angegebener Investition analysiert, Stand 19.08.2026.

Für die Rentabilitätsrechnung bedeutet das: Wer mit wenig Eigenkapital startet, findet die niedrigsten Einstiegsschwellen tendenziell bei B2C-Dienstleistungen und B2B-Dienstleistungen, während Gastronomie und Einzelhandel im Median deutlich höhere Investitionen und damit auch einen höheren Kapitaldienst mit sich bringen. Insgesamt liegen 23 % aller erfassten Systeme unter 30.000 € Investition und 34 % unter 50.000 €, was zeigt, dass ein kleinerer Kapitaleinsatz durchaus möglich ist, aber meist mit einem anderen Geschäftsmodell einhergeht, oft mit weniger Personal und geringerer Standortabhängigkeit. Wer beispielsweise Konzepte wie GreenLine Clean oder PROMEDICA PLUS prüft, bewegt sich in einem anderen Rentabilitätsprofil als bei einem gastronomischen Konzept wie L'Osteria oder Maredo, das höhere Fixkosten für Personal und Fläche mit sich bringt.

Welche Fehler machen Einsteiger bei der Rentabilitätsrechnung am häufigsten?

Die häufigsten Fehler sind, den eigenen Unternehmerlohn zu vergessen, mit Best-Case-Umsätzen statt mit einem konservativen Szenario zu rechnen und laufende Franchisegebühren nur einmal statt monatlich wiederkehrend einzuplanen. Ebenso häufig wird der Kapitaldienst unterschätzt, weil man sich auf die Investitionssumme konzentriert, aber nicht auf die monatliche Tilgungsrate über mehrere Jahre.

  • Nur ein Szenario rechnen, statt konservativ, realistisch und optimistisch zu vergleichen
  • Saisonale Schwankungen ignorieren und mit einem gleichbleibenden Monatsumsatz kalkulieren
  • Einmalige Investitionskosten mit laufenden Betriebskosten verwechseln
  • Keine Liquiditätsreserve für die Anlaufphase einplanen, in der der Break-even noch nicht erreicht ist

Eine solide Rentabilitätsrechnung braucht Zeit und ehrliche Zahlen, aber sie ist die Grundlage jeder Entscheidung für oder gegen ein Franchise-System. Wer sich zusätzlich regelmässig informiert, etwa über aktuelle Franchise-News, bekommt ein Gefühl dafür, wie sich Investitionskosten und Marktbedingungen über die Zeit verändern, und kann die eigene Kalkulation entsprechend anpassen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es normalerweise bis zum Break-even bei einem Franchise?

Das ist von System zu System verschieden und hängt von Standort, Investitionshöhe und Branche ab. Verlässliche Anhaltspunkte liefern nur Gespräche mit bestehenden Franchisenehmern, nicht pauschale Angaben aus der Werbung.

Muss der Unternehmerlohn wirklich in die Rentabilitätsrechnung?

Ja, denn sonst wird die eigene Arbeitszeit im Betrieb unsichtbar und der Gewinn erscheint höher, als er real ist. Der Unternehmerlohn gehört als feste Kostenposition in die Kalkulation.

Reichen die Musterrechnungen aus dem Franchisegeber-Exposé aus?

Musterrechnungen sind ein guter Ausgangspunkt, sollten aber immer mit eigenen, konservativeren Annahmen und mit Rückfragen an bestehende Franchisenehmer überprüft werden.

Welche Kennzahl zeigt am schnellsten, ob ein Franchise finanziell tragbar ist?

Der Break-even-Umsatz im Verhältnis zum realistisch erreichbaren Umsatz am geplanten Standort gibt den schnellsten Hinweis, ergänzt durch die Prüfung, ob nach Kapitaldienst und Unternehmerlohn noch Spielraum bleibt.

Weiterlesen