Was bedeutet es, einen bestehenden Franchise-Betrieb zu kaufen?
Wer einen Franchise-Betrieb kauft, übernimmt einen laufenden Standort samt Kundenstamm, Personal und oft auch Inventar von einem ausscheidenden Franchisenehmer, statt selbst neu zu gründen. Der Franchisegeber bleibt dabei der Systempartner im Hintergrund und muss der Übernahme in der Regel zustimmen, da der ursprüngliche Franchisevertrag meist an eine Person oder Gesellschaft gebunden ist. Diese Form des Einstiegs ist besonders für alle interessant, die eine Anlaufphase mit unsicheren Umsätzen vermeiden wollen und stattdessen auf eine bereits eingespielte Struktur setzen möchten.
Der Reiz liegt auf der Hand: bestehende Kundenbeziehungen, eingearbeitetes Personal und historische Zahlen, die eine realistischere Einschätzung erlauben als ein Businessplan auf dem Papier. Gleichzeitig bringt die Übernahme eigene Risiken mit sich, die bei einer Neugründung so nicht auftreten – etwa versteckte Altlasten in der Buchhaltung oder ein Mietvertrag, der bald ausläuft. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte deshalb strukturiert vorgehen und sich nicht von einem guten ersten Eindruck leiten lassen.
Wie läuft die Due Diligence bei einer Betriebsübernahme ab?
Die Due Diligence ist die systematische Prüfung aller wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Unterlagen des Betriebs, bevor ein Kaufvertrag unterschrieben wird. Sie bildet die Grundlage für die Kaufpreisverhandlung und deckt auf, ob die präsentierten Zahlen der Realität entsprechen. Ohne diesen Schritt kauft man im Grunde ein Versprechen statt eines geprüften Unternehmens.
Finanzielle Prüfung
- Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen der letzten Jahre einsehen, nicht nur die aktuellsten Zahlen
- Umsatzentwicklung und Saisonalität nachvollziehen, um einmalige Ausreißer zu erkennen
- Offene Verbindlichkeiten, Lieferantenkredite und laufende Leasingverträge auflisten lassen
- Personalkosten im Verhältnis zum Umsatz prüfen, da dies oft der größte Kostenblock ist
Rechtliche und vertragliche Prüfung
- Bestehenden Franchisevertrag und dessen Restlaufzeit vollständig durchlesen
- Miet- oder Pachtvertrag für die Immobilie separat prüfen, da dieser oft nicht automatisch übergeht
- Arbeitsverträge des bestehenden Personals auf Fristen, Sonderregelungen und Betriebszugehörigkeit checken
- Laufende Rechtsstreitigkeiten oder Reklamationen erfragen
Für diese Prüfung lohnt sich die Unterstützung durch einen Steuerberater oder Anwalt mit Franchise-Erfahrung, da viele Fallstricke erst bei genauem Hinsehen auffallen. Wer sich allgemein zu Einstiegswegen informieren möchte, findet eine Übersicht über verschiedene Franchise-Systeme als Vergleichsbasis für die eigene Entscheidung.
Muss der Franchisegeber der Übernahme zustimmen?
Ja, nahezu jeder Franchisevertrag enthält eine Klausel, wonach eine Übertragung des Betriebs oder der Vertragsrechte der schriftlichen Zustimmung des Franchisegebers bedarf. Diese Zustimmung ist kein bloßer Formalakt, sondern eine echte Prüfung des neuen Franchisenehmers durch das System. Ohne diese Freigabe lässt sich der Kauf rechtlich gar nicht sauber abschließen.
Worauf der Franchisegeber typischerweise achtet
- Bonität und Eigenkapital des Käufers, ähnlich wie bei einem Neueinstieg
- Fachliche und persönliche Eignung, oft durch ein Auswahlverfahren oder Gespräche
- Bereitschaft, an Schulungen teilzunehmen, auch wenn der Betrieb bereits läuft
- Teilweise eine Gebühr für die Vertragsübertragung, die im Vorfeld offengelegt werden sollte
Es empfiehlt sich, frühzeitig direkt mit dem Franchisegeber Kontakt aufzunehmen, statt sich allein auf die Angaben des Verkäufers zu verlassen. So lässt sich auch klären, ob das System grundsätzlich offen für Übernahmen ist oder eher Neugründungen bevorzugt. Wer verschiedene Marken vergleichen möchte, kann sich etwa Konzepte wie BackWerk oder Kamps als Beispiele aus dem Bäckereibereich ansehen, um ein Gefühl für unterschiedliche Vertragsmodelle zu bekommen.
Wie lange muss die Restlaufzeit des Franchisevertrags sein?
Die Restlaufzeit sollte so bemessen sein, dass sich die Investition in den Kauf und etwaige Modernisierungen wirtschaftlich amortisieren kann, bevor eine Verlängerung oder Neuverhandlung ansteht. Eine sehr kurze Restlaufzeit von nur ein bis zwei Jahren ist ein erhebliches Risiko, da unklar ist, ob und zu welchen Konditionen der Vertrag danach fortgeführt wird. Dies gehört zu den am häufigsten unterschätzten Punkten beim Kauf eines bestehenden Betriebs.
- Prüfen, ob eine automatische Verlängerungsoption besteht und an welche Bedingungen sie geknüpft ist
- Klären, ob neue Vertragskonditionen bei Verlängerung gelten könnten, etwa bei Gebühren oder Standards
- Abgleichen, ob die Restlaufzeit zur geplanten Finanzierungsdauer passt, da Banken dies ebenfalls bewerten
- Nachfragen, ob der Franchisegeber im Zuge der Übernahme einen neuen, längeren Vertrag anbietet
Wie wird der Kaufpreis beziehungsweise der Firmenwert bestimmt?
Der Kaufpreis setzt sich in der Regel aus dem Substanzwert des Inventars und einem zusätzlichen Betrag für den Goodwill zusammen, also den immateriellen Wert aus Kundenstamm, Standortqualität und eingespieltem Betrieb. Eine pauschale Formel gibt es nicht, da die Bewertung stark von Branche, Standort und individueller Ertragslage abhängt. Üblich ist jedoch, dass man sich an nachhaltig erzielbaren Erträgen der Vergangenheit orientiert und nicht an optimistischen Zukunftsprognosen des Verkäufers.
Faktoren, die den Wert beeinflussen
- Lage und Sichtbarkeit des Standorts sowie verbleibende Mietvertragslaufzeit
- Zustand von Einrichtung, Maschinen und technischer Ausstattung
- Stabilität und Qualifikation des übernommenen Personals
- Wettbewerbssituation im unmittelbaren Umfeld
- Marke und Bekanntheit des Franchisesystems vor Ort
Eine unabhängige Bewertung durch einen Sachverständigen oder Berater mit Branchenkenntnis schützt davor, einen überhöhten Preis für reine Hoffnungswerte zu zahlen. Wer sich zusätzlich mit der laufenden Ertragskraft des Standorts beschäftigen möchte, sollte eigene Berechnungen zur Rentabilität anstellen, bevor der Kaufpreis final verhandelt wird.
Welche Dokumente gehören auf die Checkliste vor dem Kauf?
Eine vollständige Dokumentenprüfung ist die wichtigste Absicherung gegen böse Überraschungen nach der Übernahme. Fehlen zentrale Unterlagen oder werden sie nur zögerlich herausgegeben, ist das bereits ein Warnsignal. Folgende Checkliste bietet einen praxisnahen Ausgangspunkt:
- Franchisevertrag inklusive aller Nachträge und Anlagen
- Miet- oder Pachtvertrag der Betriebsräume
- Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen der letzten drei Jahre
- Liste aller Verbindlichkeiten, Kredite und Leasingverträge
- Personalübersicht mit Arbeitsverträgen, Gehältern und Betriebszugehörigkeit
- Inventarliste mit Zustand und Alter der Ausstattung
- Genehmigungen, Lizenzen und gegebenenfalls hygienerechtliche Nachweise
- Schriftliche Zustimmungserklärung des Franchisegebers zur Übertragung
- Nachweis über laufende Marketingverpflichtungen oder regionale Werbefonds
Diese Unterlagen sollten nicht nur eingesehen, sondern in Kopie archiviert werden, idealerweise mit Unterstützung eines Fachanwalts. So lässt sich im Nachgang auch belegen, auf welcher Informationsgrundlage die Kaufentscheidung getroffen wurde. Wer sich allgemein über aktuelle Entwicklungen im Franchising informieren will, findet dazu regelmäßig aktualisierte Beiträge in den Franchise-News.
Welche typischen Fehler sollte man beim Kauf vermeiden?
Die häufigsten Fehler entstehen durch Zeitdruck, mangelnde Transparenz oder zu großes Vertrauen in mündliche Zusagen des Verkäufers. Wer sich von einem attraktiven Standort blenden lässt, ohne die Zahlen kritisch zu hinterfragen, geht ein unnötig hohes Risiko ein. Auch die Kommunikation mit dem Franchisegeber wird gelegentlich zu spät gesucht, obwohl dessen Zustimmung ohnehin erforderlich ist.
- Sich allein auf die Darstellung des Verkäufers verlassen, statt eigene Prüfungen zu veranlassen
- Die Restlaufzeit des Franchisevertrags und des Mietvertrags nicht aufeinander abstimmen
- Personalfragen erst nach Vertragsunterschrift klären
- Keine schriftliche Übergangsregelung für die Einarbeitungsphase vereinbaren
- Den Kaufpreis ohne unabhängige Bewertung akzeptieren
Eine sorgfältige, etwas langsamere Vorgehensweise zahlt sich bei einer Betriebsübernahme fast immer aus, da die finanzielle Dimension meist höher ist als bei einer Neugründung. Wer sich zusätzlich zu Fördermöglichkeiten für den Kauf informieren möchte, kann dies parallel zur Due Diligence prüfen, um die Finanzierung frühzeitig zu sichern.